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Ennodius

Magnus Felix Ennodius - Werke

Die Werke des Ennodius zeugen von einer profunden Bildung in der antik-heidnischen, aber auch in der christlichen Literatur. Sprache und Stil sind gekennzeichnet von manieristischen Spielereien; schöpferische Genialität und Inhaltsreichtum sind nur sehr selten zu spüren. Der folgende Überblick ist nach der seit der Edition von Jacques Sirmond (1611) üblichen Einteilung nach Werkgattungen aufgebaut.

Handschriften und Editionen

Epistulae

Opuscula

Panegyricus Theoderico regi dictus

Libellus pro synodo

Vita Epiphanii

Vita Antonii

Eucharisticum

Paraenesis didascalica

Weitere Opuscula

Dictiones

Carmina

Epistulae

Die 297 erhaltenen Briefe wurden von den Editoren Sirmond (1611) und Hartel (1882) in neun Bücher eingeteilt; manche Briefe sind freilich offensichtlich verloren gegangen sein, wobei unklar ist, ob sie nie veröffentlicht wurden oder durch den Verlust einzelner Blätter in den ältesten Handschriften nicht auf uns gekommen sind. Die Briefe stammen fast alle aus der Mailänder Zeit des Ennodius (ca. 498-513) und sind teilweise an hochgestellte Adressaten wie die Päpste Hormisdas und Symmachus, an Liberius, Faustus und Boethius, aber auch an Mitglieder seiner Familie gerichtet. Der gesuchte Stil lässt auf die prinzipielle Absicht die Briefe zu publizieren schließen. Der Einfluss der Briefe des Q. Aurelius Symmachus ist deutlich spürbar, doch erreicht Ennodius nicht mehr das Niveau der Briefliteratur des 4. und 5. Jahrhunderts. Dennoch galten sie an den ars dictaminis-Schulen des Hochmittelalters als Vorbilder. Der Inhalt tritt oft in den Hintergrund: Meist handelt es sich um Bittschriften, Dankes-, Trost-, Glückwunsch- und Empfehlungsschreiben oder bloß um Freundschaftsbezeugungen. Alle oder zumindest die meisten Briefe stammen aus der Mailänder Zeit des Ennodius.

Literatur zu den Epistulae

Opuscula

Unter den zehn Opuscula miscella befinden sich die wichtigsten Werke des Ennodius.

Panegyricus

Opusc.1 (= Nr. 263 Vogel) ist der im Frühjahr 507 entstandene Panegyricus Theoderico regi dictus. Es vereinigt in sich alle Merkmale seines Oeuvres in übersteigerter Form und ist dadurch besonders typisch für sein Schaffen. Als katholischer Kleriker und Angehöriger der senatorischen römischen Oberschicht verfasste er einen Panegyricus auf einen arianischen Gotenkönig und auf dessen Herrschaft in Italien, dem Kernbereich des ehemaligen Römerreiches - ungewöhnlich, aber zu dieser Zeit nicht unbedingt ein Widerspruch.

Nach einer äußerst manierierten und an panegyrischer Topik reichen Einleitung geht Ennodius auf den Werdegang des Ostgotenkönigs auf dem Balkan und auf dessen Herrschaft in Italien anhand von Einzelepisoden ein. Einzelne Schlachten, die aus der Sicht des Historikers nicht alle wirklich entscheidend waren, werden relativ ausführlich geschildert: Theoderichs Parteinahme für den oströmischen Kaiser Zenon gegen den Usurpator Basiliscus in den Jahren 475 und 476, sein Kampf gegen ein Bulgarenheer, der Sieg gegen die Gepiden auf seinem Zug nach Italien, die Schlacht bei Verona gegen Odoaker, aber auch die Siege der gotischen Comites Pitzia und Herduic an der Ostgrenze des Ostgotenreiches, die die Eroberung Sirmiums und der Gebiete um Singidunum-Belgrad zur Folge hatten. Dazwischen sind kürzere Berichte über Theoderichs Leistungen im Inneren und weitere außenpolitische Ereignisse eingeschoben. Nach der Schilderung der Kämpfe an der Ostgrenze folgt eine Mischung aus unterschiedlichen Themen: die Ansiedelung fliehender Alamannen im Ostgotenreich, Theoderichs Sorge um die Redekunst, ein Vergleich mit Alexander dem Großen, der Einsatz Theoderichs für die Kampferziehung der Jugend und am Ende die Beschreibung von Theoderichs Aussehen und Charakter.

Im Gegensatz zur Datierung lassen sich die Frage nach dem konkreten Anlass und die Frage, ob der Panegyricus jemals vorgetragen wurde, kaum befriedigend lösen. Keine der berichteten Taten verweist eindeutig auf den Anlass für den Panegyricus, vielmehr fällt dessen symmetrischer Aufbau auf: drei Schlachtenschilderungen, die jeweils durch eine Feldherrnrede herausgehoben sind, stehen im Zentrum des Werkes, in der Mitte der erste große Sieg Theoderichs über Odoaker bei Verona, davor die als besonders schwierig geschilderte Schlacht gegen die Gepiden am Fluss Ulca und danach der einzige Angriffskrieg Theoderichs nach seiner Machtergreifung in Italien, der Kampf um Sirmium. Davor, dazwischen und danach sind Themen unterschiedlichen Inhalts eingeflochten; nur der Anfang, eine kunstvolle Praefatio, in der Ennodius begründet, warum auch er als Vertreter der Kirche einen Panegyricus verfassen will, und der Schluss, die Beschreibung von Theoderichs Aussehen und Charakter, geben dem Panegyricus einen äußeren Rahmen. Die Analyse von Aufbau und Inhalt lässt so zwar eine durchdachte, künstlerische Gestaltung, nicht aber einen konkreten Anlass für die Lobrede erkennen. Es muss daher nach den Gelegenheiten gefragt werden, bei denen im ersten Halbjahr 507 ein Panegyricus gehalten worden sein könnte.

Mehrfach wurde in der Forschung vermutet, ein Triumph über die Alamannen nach deren Ansiedelung im Ostgotenreich habe den Anlass gebildet, bei dem - in Mailand oder in Ravenna - Ennodius als Vertreter der geistlichen Standes seine Lobrede vortrug. Die Ansiedelung der Alamannen ist zwar das jüngste datierbare Ereignis, doch dann wäre dem Anlass auffallend wenig Platz im Panegyricus eingeräumt worden, nämlich etwa zwei Prozent des Gesamtumfanges.

Daneben wurde auch die kirchenpolitische Situation des Jahres 507 als Anlass erwogen: Theoderich hatte damals mit einem Edikt das Laurentianische Schisma de facto beendet, indem er das gesamte Kirchenvermögen der Seite des Symmachus zusprach, doch muss dieser Erwägung entgegengehalten werden, dass der Katholik Ennodius in seinem Panegyricus auf den Arianer Theoderich kirchenpolitische Fragen völlig beiseite lässt.

Auch die Abhaltung während eines Zeremoniells beim Empfang von Gesandten ist unwahrscheinlich: Bei Gesandtschaften aus germanisch-gentilen Reichen wäre wohl eher ein gotisches Heldenlied zu erwarten, in dem das Amalergeschlecht gepriesen würde. Auf byzantinische Gesandte würden zwar der prunkvolle Stil der Rede und ein aufwendiges Zeremoniell passen, doch sprechen gegen diese Möglichkeit die spitzen Bemerkungen gegenüber den byzantinischen Kaisern Zenon und Anastasius.

Kaum Anlass für einen mündliche gehaltenen, durchaus aber für einen schriftlich überreichten Panegyricus könnte in der Parteinahme des Ennodius für den Hofbeamten und Verwandten Flavius Anicius Probus Faustus Iunior Niger liegen, der um die Jahreswende 505 auf 506 wegen Anfeindungen aus dem Hofdienst schied. Ennodius setzte sich in Briefen für dessen Rehabilitierung ein - mit Erfolg: seit 507 ist Faustus als Patricius und Praefectus praetorio belegt. Der Panegyricus könnte somit im Zuge dieser Interventionen als Dank - oder als “Memorandum”, wenn die Sache für Faustus doch noch nicht endgültig entschieden war - überreicht worden sein, doch auch für diese Vermutung lässt sich kaum Sicherheit gewinnen.

Im Panegyricus, und dort vor allem in den episch gestalteten zentralen Passagen sind besonders die Entlehnungen aus Vergil. Dahinter dürfte auch ein Programm stecken: Es wäre durchaus denkbar, dass der in der nationalrömischen Tradition stehende Ennodius Theoderich implizit als neuen Aeneas verklären wollte. Wie Aeneas kommt Theoderich als Retter aus dem Osten, um das darniederliegende Italien zu stärken. Italien wird bei Ennodius bezeichnenderweise auch als Ausonia bezeichnet. In der skizzierten Typologie entspräche Odoaker dem Turnus.

Das nationalrömische Programm wird auch durch die Imitation des Oeuvres von Q. Aurelius Symmachus deutlich. Nicht nur das ennodianische Briefkorpus lehnt sich an das des Symmachus an, auch der Panegyricus wurde sprachlich und stilistisch den Panegyrici auf Valentinian nachempfunden. Wörtliche Zitate sind in manchen Passagen zahlreich. Diese Imitation ist umso bemerkenswerter, als in den Excerpta Valesiana berichtet wird, dass Theoderich auch als neuer Valentinian gesehen wurde. Zur nationalrömischen Ausrichtung des Panegyricus passt auch der auffallend sparsame Gebrauch von Fremd- und Lehnwörtern aus dem Griechischen: Nur allgemein verbreitete Fachausdrücke, Namen oder direkt aus der sprachlichen Vorlage entnommene Bezeichnungen kommen, wenn auch spärlich, vor.

Anhand der gewählten Themen und Formulierungen, aber auch anhand der Auslassungen und Verschleierungen lässt sich recht klar die Tendenz des Panegyricus erkennen. Vorrangiges Ziel ist, Theoderich als einen in der Tradition der weströmischen Kaiser stehenden Herrscher Italiens zu legitimieren.

Literatur zum Panegyricus

Libellus pro synodo

Bei opusc. 2 (= Nr. 49 Vogel) handelt es sich um den Libellus adversus eos, qui contra synodum scribere praesumpserunt (kurz auch Libellus pro synodo genannt), eine literarische Verteidigung der Partei des Papstes Symmachus und der synodus palmaris (502), auf der die Rechtmäßigkeit des Symmachus im Laurentianischen Schisma (498-507/508) bestätigt wurde. Mit einer “an Gelasius geschulten Dialektik” zeigt sich Ennodius als Verfechter einer Suprematie des Bischofs von Rom, der auch durch eine Synode nicht judizierbar ist. Der Libellus pro synodo ist somit auch von kirchenpolitischer Bedeutung, stellt er doch einen wichtigen Meilenstein bei der Herausbildung des päpstlichen Suprematieanspruchs dar. Auch die Pseudo-Isidorischen Dekretalen (um 850) enthalten den Libellus pro synodo, allerdings ist er dort unter die Synodalakten gereiht.

Literatur zum Libellus pro synodo

Vita Epiphanii

Die Vita Epiphanii episcopi Ticinensis (opusc. 3 = Nr. 80 Vogel) enthält die Lebensbeschreibung des 496 verstorbenen Bischofs von Pavia und Lehrers des Ennodius. Im Gegensatz zu den meisten anderen Werken des Ennodius ist die Vita in einer relativ schlichten Sprache gehalten. Dennoch ist ein gewisser weltlicher Prunk nicht zu übersehen, wenn man die Vita mit vergleichbaren Werken, etwa der Vita Severini des Eugippius, vergleicht. Auch inhaltlich geht die Vita Epiphani deutlich über die genusspezifizische Topik hinaus und stellt für die Geschichtswissenschaft eine nicht zu unterschätzende Quelle für Oberitalien zur Zeit Odoakers und Theoderichs dar. Ennodius schildert in seiner Vita, wie Epiphanius in dieser Umbruchzeit aktiv als Vermittler (zwischen Kaiser Anthemius und dem allmächtigen magister militum Rikimer sowie zwischen Kaiser Nepos und dem Westgotenkönig Eurich) und Gesandter (zum Burgunderkönig Gundobad) in das politische Leben eingriff.

Literatur zur Vita Epiphanii

Vita Antonii

Auch die Vita Antonii monachi Lerinensis (opusc. 4 = Nr. 240 Vogel), die Lebensbeschreibung des Antonius von Lérins, eines Schülers Severins von Noricum, enthält für den Historiker interessante Informationen, auch wenn im Gegensatz zur Vita Epiphanii das persönliche Interesse des Ennodius an der Materie offensichtlich deutlich geringer ist. Die Vita wurde auf Wunsch des Abtes von Lérins, Leontius, vermutlich im Jahr 506 verfasst und bleibt eher im Rahmen der üblichen Heiligenleben. Antonius stammte aus Pannonien; er wurde nach dem Tod seines Vaters von Severin in Noricum erzogen und trat nach Aufenthalten im Veltlin und am Comosee ins Kloster Lérins ein. Sprachlich ist die Vita Antonii mit der Vita Epiphanii vergleichbar, sie ist also in einem durchaus prunkvollen Stil für das Genus der Hagiographie verfasst, freilich im Vergleich mit den meisten anderen Werken des Ennodius in einem sermo humilis.

Literatur zur Vita Antonii

Eucharisticum

Das Eucharisticum de vita sua (opusc. 5 = Nr. 438 Vogel) ist eine Art Selbstbiographie des Ennodius im Stil der Confessiones des Augustinus. Letztere Bezeichnung wäre für das Werk auch eher angebracht als Eucharisticum, ein Titel, der vom Editor Jacques Sirmond (1611) stammt und auf dem Irrtum beruht, das Eucharisticum des Paulinus von Pella sei das Vorbild für die Selbstreflexion des Ennodius. Auch Ennod., opusc. 5, 17 (= Nr. 438 Vogel) spricht von einer confessio, die er zu schreiben gelobte. Der kurze Lebensbericht in Form eines Gebetes stellt angeblich die Einlösung eines Gelöbnisses an den Hl. Viktor dar. Dieser habe ihn aus einer schweren Krankheit befreit und zu einer Lebensumkehr bewogen. Allerdings vermengt Ennodius - bewusst (?) - seine schwere Krankheit, die erst ins Jahr 511 fällt, mit seiner Bekehrung und der seiner Verlobten in jungen Jahren.

Literatur zum Eucharisticum

Paraenesis didascalica

Bei der Paraenesis didascalica (opusc. 6 = Nr. 452 Vogel) handelt sich um eine im Jahr 511 oder kurz danach in prosimetrischer Form abgefasste Anleitung zum Erwerb höherer Bildung, die an die beiden jungen Männer Ambrosius und Beatus gerichtet ist. Zunächst fordert Ennodius als Grundlage aller tugendhafter Bildung die reine Liebe zu Gott und zum Nächsten. Daran schließen sich die drei Tugenden verecundia, fides und castitas an, die sich personifiziert und in metrischer Form jeweils selbst vorstellen. Für die Bildung schließlich sei neben der Grammatik vor allem die Rhetorik von Bedeutung, die unter Anführung zeitgenössischer Beispiele - darunter auch Faustus, der Konsul des Jahres 490, und der junge Boethius - über alle Maßen gelobt wird. Das Werk insgesamt ist für die Beurteilung der Bildung des Ennodius und seiner Zeitgenossen nicht unbedeutend, handelt es sich doch um eine Zeugnis, wie in der Ostgotenzeit heidnisch-nationalrömische und christliche Bildung zusammenflossen.

Literatur zur Paraenesis didascalica

Weitere Opuscula

Die übrigen Opuscula sind kürzer und weniger bedeutend. Im Praeceptum de cellulanis (opusc. 7 = Nr. 8 Vogel) rät Ennodius den Klerikern zu einer vita communis. Offensichtlich veranlasst durch Angriffe gegen Papst Symmachus spricht sich Ennodius dafür aus, dass Bischöfe und Kleriker Hausgenossen als Zeugen ihres Lebenswandels um sich versammeln. Bei opusc. 8 (= Nr. 123 Vogel) handelt es sich um das Petitorium quo absolutus est Gerontius, bei opusc. 9-10 (= Nr. 14 und 81 Vogel) um die beiden Benedictiones cerei.

Dictiones

Unter der Bezeichnung Dictiones vereinigte der Editor Jacques Sirmond insgesamt 28 Stücke mit rhetorischem Charakter. An der Spitze stehen sechs Reden (dict.1-6 = Nr. 1. 98. 114. 277. 336. 464 Vogel) geistlichen Inhaltes: Dict.1 (= Nr. 1 Vogel) wurde aus Anlass des Jahrestages, an dem Bischof Laurentius von Mailand sein Amt antrat, verfasst, weitere Reden sind für Bischöfe und andere Geistliche geschriebene Vorträge anlässlich von Kircheinweihungen und Amtsantritten. Eine weitere Dictio sucht Gläubige vor Häresien zu bewahren.
Insgesamt sieben Schulreden bilden eine zweite Gruppe (dict.7-13 = Nr. 3. 69. 85. 94. 124. 320. 451 Vogel): Die Inhalte sind meist banal und meist dem Schulalltag entnommen (Verlegung einer Schule, Dank an den Redelehrer). Einige der in diesen Reden vorgestellten oder angeredeten Personen waren junge Schüler des Ennodius, die unter den Nachfolgern des Ostgotenkönigs Theoderich für ein letztes Aufflackern spätrömischer Bildung in Italien verantwortlich waren: Dict.10 (= Nr. 94 Vogel) ist eine Einführungsrede für Parthenius, der allem Anschein nach mit dem gleichnamigen Widmungsträger von Arators De actibus apostolorum identisch ist, bei dict.12 (= Nr. 320 Vogel) handelt es sich um eine prosimetrische laus litterarum an Arator selbst.

Bei den übrigen 15 Dictiones handelt es sich um Musterreden, wie sie für den antiken Schulbetrieb typisch waren. Zwei der Reden sind an Arator gerichtet. Zehn controversiae stehen fünf dictiones ethicae (Sirmond) gegenüber, deren Themen aus der antiken Mythologie entnommen sind.

Literatur zu Opusc. 7-10 und zu den Dictiones

Carmina

Schließlich sind die beiden Bücher der Carmina von Bedeutung, allerdings eher kulturgeschichtlich als Zeugnis für einen Vertreter spätantiker Gelehrsamkeit denn als literarische Meisterwerke. Nach der noch heute gebräuchlichen Einteilung von Jacques Sirmond umfassen die Gedichte zwei Bücher, von denen das erste neun größere Gedichte und zwölf Hymnen enthält, das zweite insgesamt 151 Epigramme.

Der Inhalt der größeren Gedichte ist weit gestreut: Es finden sich Reisebeschreibungen ebenso wie das polymetrische Epithalamium für und panegyrische Dichtungen für Epiphanius, Faustus und Olybrius. Die nur in der Brüsseler Handschrift überlieferten zwölf Hymnen (carm. 1,10-21 = Nr. 341-352 Vogel) haben Festtage und in der Mailänder Kirche besonders verehrte Heilige zum Thema. Sie versuchen zwar, inhaltlich, stilistisch und metrisch an die Hymnen des Ambrosius anzuschließen, doch erreichen sie diese bei weitem nicht und setzten sich auch in der Liturgie nie durch.

Die Epigramme des zweiten Buches sind zumeist in Hexametern oder in elegischen Distichen abgefasst, gelegentlich auch in sapphischen Strophen mit darauf folgenden trochäischen Tetrametern. Manche Epigramme bestehen aus einem einzigen Vers. Zwei Gedichte der Sammlung stammen von anderen Dichtern, je eines von Faustus (carm. 2,143 = Nr. 367 Vogel) und von Ennodius Messala (carm. 2,144 = Nr. 371 Vogel). Die Inhalte der Gedichte variieren stark. Sie reichen von christlichen Epitaphien bis zu hocherotischen Gedichten in der Tradition des Catull, die Ennodius freilich schon in seiner Zeit als Diakon verfasste. Daneben beschreibt Ennodius Kunstwerke, den Garten Theoderichs (carm. 2,11 = Nr. 264 Vogel), gratuliert Arator zum Geburtstag (carm. 2,105 = Nr. 237 Vogel) und schildert in satirischer Weise Personen aus dem Alltagsleben.

Die Qualität der Gedichte ist allgemein eher mäßig. Insgesamt erinnert ihr Charakter - wenn auch nicht qualitativ - an das Werk des Ausonius: Das Versemachen wirkt improvisiert und an passende Gelegenheiten gebunden.

Literatur zu den Carmina

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